Stolperstein erinnert an ehemaligen Schüler

Am Nachmittag des 10. Februars 2020 versammelten sich viele Lehrkräfte des SBBZ Luise von Baden, unsere Schulleiterin Frau Soerensen, sowie weitere interessierte Teilnehmer zur Stolpersteinverlegung vor dem Schulgebäude des SBBZ Luise von Baden in Heidelberg, um dem ehemaligen Schüler Willi Hartlieb zu gedenken. Er wurde von den Nationalsozialisten im Jahr 1945 mutmaßlich im Rahmen der "Euthanasie-Morde" getötet.

Willi Hartlieb wurde 1915 in Heidelberg geboren. Durch eine Hirnhautentzündung verlor er als Kleinkind sein Gehör fast vollständig. Deshalb besuchte er von 1922 bis 1930 zunächst die Hilfsklasse der damaligen Gehörlosenschule in Heidelberg Neuenheim und begann anschließend eine Berufsausbildung im Taubstummenheim Brugghalden in Neckargemünd.

In der Grundschule der Taubstummenanstalt in Heidelberg Neuenheim lernte Willi das "Mundablesen und Sprechen". Er wurde zunächst als fleißiger Schüler beschrieben. Er besuchte während der gesamten Schulzeit das schuleigene Internat und anschließend das Wohnheim in Neckargemünd. Hier fühlte er sich nicht wohl. Auch in den Schulferien durfte er auf Veranlassung der Schulbehörde und der Schulleitung seine Mutter, die als schlechtes Vorbild beschrieben wurde, nicht besuchen. Willi Hartlieb erlebte so eine Kindheit und Jugend, die von wenig menschlicher Zuwendung, Ungerechtigkeiten und vielen Missverständnissen (u. a. eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit und -möglichkeit) geprägt war. Immer wieder versuchten er und seine Mutter miteinander in Kontakt zu treten. Dies wurde von den Behörden und der Schule rigoros unterbunden.

Auf Grund der zunehmend schwierigen Zeiten während der Weltwirtschaftskrise beendete Willi die ungeliebte Berufsausbildung zum Gärtner im Taubstummenheim Brugghalden in Neckargemünd ohne Berufsabschluss. Er musste das Heim verlassen, weil es geschlossen wurde. Er kam daraufhin zur Beobachtung in die Psychiatrische Klinik in Heidelberg. Es folgten diverse Heimaufenthalte und Aufenthalte in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen. Im Jahr 1937 wurde Willi Hartlieb im Krankenhaus Lörrach wegen "angeborenem Schwachsinn" im Alter von 21 Jahren unfruchtbar gemacht.

Zu dieser Diagnose trugen einige diffamierenden Anschreiben des damaligen Schulleiters der Taubstummenanstalt Heidelberg bei, die Willi H. und seine Familie in einem sehr schlechten Licht erscheinen ließen.

Nach Obdachlosigkeit und weiteren Aufenthalten in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen, zuletzt der Psychiatrie in Wiesloch wurde Willi im Juni 1944 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt, wo er am 24.01.1945 im Alter von nur 30 Jahren angeblich an einer Tuberkulose und Blutvergiftung verstarb. Es ist davon auszugehen, dass Willi H. Opfer der sogenannten "Wilden Euthanasie" wurde.

Der Stolperstein vor dem Haupteingang unseres Schulgebäudes in Heidelberg erinnert uns und alle Besucher, die das Schulgebäude betreten an Willi Hartlieb, einen ehemaligen Schüler unserer Schule, der wie viele andere unschuldige Menschen, während der Naziherrschaft gequält, sterilisiert und getötet wurde. So etwas darf nie wieder passieren!

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